Entwicklungspädagogik


Um Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensschwierigkeiten noch gezielter unterstützen zu können, hat das Kollegium der Roseggerschule im Mai 2013 nach einem ganztägigen „Schnuppertag“ beschlossen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen und sich im Bereich Entwicklungstherapie / Entwicklungspädagogik (ETEP) fort zu bilden. Die Fortbildung begann im September 2013 und endete im September 2014 mit der Zertifizierung. Sie wurde von Frau Dr. Marita Bergsson persönlich durchgeführt, welche das aus den USA stammende Konzept in den 90er Jahren für den deutschsprachigen Raum übersetzte, adaptierte und ergänzte.

Was ist Entwicklungstherapie / Entwicklungspädagogik (ETEP)?

„Entwicklungstherapie / Entwicklungspädagogik (ETEP) ist ein pädaogisches Programm zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sich anbahnenden oder bereits existierenden Verhaltensproblemen bis hin zu gravierenden Verhaltensbehinderungen.
Außerdem dient das Programm zur präventiven Arbeit beim Aufbau von Verhaltenskompetenzen generell.“ (zitiert nach: www.etep.org)

Ziel des ETEP-Ansatzes ist es somit, die sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen zu fördern.
Im Mittelpunkt steht deshalb ein Stufenmodell zur sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 16 Jahren, welches auf psychologischen Theorien beruht.

Vier Leitgedanken zur kindlichen Entwicklung bilden die Grundlage des ETEP-Ansatzes:

  1. Gedanke: Richten Sie den Blick auf Stärken!
  2. Gedanke: Folgen Sie der Entwicklungslogik!
  3. Gedanke: Gewährleisten Sie Freude und Erfolg!
  4. Gedanke: Sorgen Sie für bedeutsame Erfahrungen!

Das Programm wurde in den 70er Jahren von Prof. Mary M. Wood in den USA entwickelt. Seit Anfang der 90er Jahre wurde es dann in Deutschland modifiziert und in der Praxis erprobt.

Was hat sich durch die Fortbildung verändert?

Auf der Basis des ETEP-Konzeptes, dessen theoretische Grundlagen wir in zwei Seminaren erworben haben, wurden im Laufe der Fortbildung die folgenden Bereiche der pädagogischen Arbeit neu überdacht und konzipiert:

  1. Diagnostik und Förderplanung

    Wir haben den Entwicklungstherapeutischen / Entwicklungspädagogischen Lernziel-Diagnosebogen (ELDiB) kennen gelernt, unsere Schülerinnen und Schüler damit eingeschätzt und entsprechende Förderziele daraus abgeleitet. Diese wurden für jede Schülerin und jeden Schüler in einem Individuellen Entwicklungsplan (IEP) festgeschrieben. ELDiB und IEP werden regelmäßig evaluiert.

  2. Durchführung von Unterricht

    Seit Beginn des zweiten Halbjahres 2013/2014 findet in jeder Klasse der Roseggerschule mindestens einmal pro Woche eine Doppelstunde Entwicklungspädagogischer Unterricht (EPU) statt. In dieser Doppelstunde arbeiten die Kollegen grundsätzlich zu zweit in der jeweiligen Klasse. Im EPU werden durch bestimmte Strukturprinzipien die fachlichen Unterrichtsinhalte mit der Förderung der sozial-emotionalen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler verknüpft. Die praktische Einführung des Entwicklungspädagogischen Unterrichts wurde begleitet durch gegenseitige kollegiale Hospitationen sowie zwei Hospitationsphasen mit Unterrichtsbesuchen und anschließenden Beratungsgesprächen durch die Referentinnen.

  3. Fallberatungen

    Fallberatungen bzw. Fallanalysen werden im ETEP-Ansatz nach einer vorgegebenen Struktur durchgeführt, die dafür sorgt, dass das Verhalten einer Schülerin / eines Schülers unter vielen verschiedenen Aspekten betrachtet wird. Dies führt zu einem sehr fundierten und umfassenden Blick auf die Schülern/ den Schüler und dazu, dass wirksame Interventionsstrategien abgeleitet werden können.

  4. Konflikt- bzw. Krisengespräche

    In den Seminaren haben wir die Methode „Life Space Crisis Intervention“ (LSCI) bereits theoretisch kennen gelernt.

    Inzwischen haben wir in einer weiteren praxisorientierten Fortbildung unsere Kenntnisse über diese Methode vertieft und wenden sie in Konfliktgesprächen gezielt an.